Was ist Business Process Modeling Notation?


Erfahren Sie das Wesentliche über BPMN und BPMN 2.0, die historische Entwicklung dieser Darstellungsart, ihren Zweck, ihre Vorteile, die verwendeten Symbole und Diagrammarten. Zudem finden Sie hier wichtige Tipps für die Erstellung von Geschäftsprozessmodellen.

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Was ist BPMN?

Business Process Modeling Notation (BPMN) beschreibt eine Methode und die entsprechende Symbolik für die grafische Darstellung der einzelnen Schritte eines geplanten Geschäftsprozesses. BPMN ist ein wesentliches Element des Geschäftsprozessmanagements und liefert eine detaillierte Darstellung der Abfolge geschäftlicher Aktivitäten sowie der für die erfolgreiche Umsetzung eines Prozesses erforderlichen Informationsflüsse.

BPMN-Beispiel

BPMN dient der Modellierung von Möglichkeiten, die Effizienz zu steigern, neue Umstände zu berücksichtigen oder Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Seit einigen Jahren erlebt diese Methode einen Standardisierungsschub und ist heute unter der leicht abweichenden Bezeichnung Business Process Model and Notation (Geschäftsprozessmodell und -notation) bekannt, für die ebenfalls die Abkürzung BPMN verwendet wird. BPMN unterscheidet sich von Business Process Mapping (Geschäftsprozessdarstellung), bei der bestehende Prozesse abgebildet werden, vornehmlich für Standardisierungs-, Mitarbeiterschulungs-, Qualitätssicherungs- und Audit-Compliance-Zwecke. BPMN ist zudem das im geschäftlichen Umfeld verbreitete Äquivalent zu der in der Softwarentwicklung verwendeten Unified Modeling Language (UML).

Jüngste Geschichte

Business Process Modeling Notation wurde von der Business Process Management Initiative (BPMI) entwickelt und ist mehrfach überarbeitet worden. 2005 fusionierte diese Organisation mit der Object Management Group (OMG), die das Programm übernahm. 2011 veröffentlichte OMG BPMN 2.0 und änderte den Namen der Methode zu Business Process Model and Notation. Mit BPMN 2.0 wurde ein stärker detaillierter Standard für die Modellierung von Geschäftsprozessen mit einer umfangreicheren Auswahl an Symbolen und Grafiken für Geschäftsprozessdiagramme geschaffen. 2014 wurde BPMN um eine Methode zur grafischen Darstellung von Entscheidungsabläufen mit der Bezeichnung Decision Model and Notation Standard ergänzt, da BPMN für die Modellierung von Entscheidungsabläufen nicht unbedingt geeignet ist.

Zweck und Vorteile

Auf der Grobebene richtet sich BPMN an die Beteiligten eines Geschäftsprozesses und andere beteiligte Partner, um ihnen mithilfe leicht erfassbarer Abbildungen der einzelnen Schritte ein Verständnis des Prozesses zu vermitteln. Auf der Feinebene richtet sich BPMN an die Personen, die den Prozess verwirklichen sollen, und liefert ihnen die erforderlichen Details für eine präzise Umsetzung. BPMN stellt eine standardisierte gemeinsame Sprache für alle Beteiligten bereit, unabhängig von ihrem fachlichen Hintergrund: Business Analysten, Prozessteilnehmer, Manager und technische Entwickler sowie externe Teams und Berater. Im Idealfall wird mit BPMN die Lücke zwischen Vorhaben und Umsetzung überbrückt, indem die Methode genügend Details und Klarheit bezüglich der Abfolge der geschäftlichen Aktivitäten liefert.

Eine grafische Darstellung kann deutlich einfacher nachvollziehbar als eine verbale Beschreibung sein. Sie ermöglicht eine einfacherer Kommunikation und Zusammenarbeit, um das gewünschte Ziel zu erreichen: einen effizienten Prozess, der hochwertige Ergebnisse liefert. Die Kommunikation wird durch die Erstellung von XML-Dokumenten (Extensible Markup Language) unterstützt, die für die Ausführung verschiedener Prozesse benötigt werden. Ein wichtiger XML-Standard heißt BPEL oder BEPEL4WS – Business Process Execution Language for Web Services.

BPMN-2.0-Diagrammelemente und -Symbole

BPMN kann diese vier Elementtypen für Geschäftsprozessdiagramme abbilden:

  1. Flussobjekte: Ereignisse, Aktivitäten und Gateways
  2. Verbindungen zwischen Objekten: Sequenzfluss, Nachrichtenfluss, Assoziation
  3. Schwimmbahnen: Pool oder Bahn
  4. Artefakte: Datenobjekt, Gruppe und Anmerkung

Nachfolgend werden die einzelnen Elemente und deren Verwendung zur Definition eines Geschäftsprozesses beschrieben:

Ereignisse

Ein Ereignis ist ein Auslöser, der einen Prozess startet, ändert oder abschließt. Ereignistypen sind z. B. Nachricht, Zeitmesser, Fehler, Kompensation, Signal, Abbruch, Eskalation und Link. Ereignisse werden durch Kreise dargestellt. Die darin enthaltenen Symbole geben den Ereignistyp an. Sie werden entsprechend ihrer Wirkung entweder als „throwing“ (werfend) oder „catching“ (fangend) klassifiziert.

BPMN-Ereignisse

Aktivität

Eine Aktivität ist eine bestimmte Aktivität oder Aufgabe, die von einer Person oder einem System ausgeführt wird. Aktivitäten werden als Rechtecke mit abgerundeten Ecken dargestellt. Sie können mithilfe von Unterprozessen, Schleifen, Kompensationen und Mehrfachinstanzen ausführlicher beschrieben werden.

BPMN-Aktivitäten

Gateway

Ein Zugang (Gateway) ist ein Entscheidungspunkt, die den Pfad auf Grundlage von Bedingungen oder Ereignissen anpassen können. Zugänge werden als Rhomben dargestellt. Sie können exklusiv oder inklusiv, parallel oder komplex sein und auf Daten oder Ereignissen basieren.

 

Sequenzfluss

Ein Sequenzfluss zeigt die Reihenfolge der auszuführenden Tätigkeiten an. Er wird als gerade Linie mit Pfeil dargestellt. Er kann einen bedingten Fluss oder einen Standardfluss anzeigen.

Sequenzfluss-BPMN

Nachrichtenfluss

Ein Nachrichtenfluss bildet den Fluss der Nachrichten innerhalb von „Pools“ oder über die Grenzen einer Organisation, wie z. B. Abteilungsgrenzen, ab. Er verbindet keine Ereignisse oder Aktivitäten innerhalb eines Pools. Der Nachrichtenfluss wird durch eine gestrichelte Linie mit einem Kreis am Anfang und einem Pfeil am Ende dargestellt.

Nachrichtenfluss-BPMN

Assoziation

Assoziationen werden mit einer gepunkteten Linie dargestellt, die ein Artefakt oder einen Text mit einem Ereignis, einer Aktivität oder einem Zugang in Beziehung setzt.

Becken und Schwimmbahn

Ein Pool (Schwimmbecken) stellt die wichtigsten Teilnehmer eines Prozesses dar. Ein anderer Pool kann sich in einem anderen Unternehmen oder einer anderen Abteilung befinden, aber dennoch am Prozess beteiligt sein. Verantwortungsbereiche (Schwimmbahnen) innerhalb eines Pools zeigen die Aktivitäten und Flüsse für eine bestimmte Position oder einen bestimmten Teilnehmer an und definieren, wer für welche Teile des Prozesses zuständig ist.

Becken-Schwimmbahn-BPMN

Artefakt

Artefakte sind zusätzliche Informationen, die Entwickler anfügen, um das Diagramm mit den erforderlichen Details auszustatten. Es gibt drei Arten von Artefakten: Datenobjekt, Gruppe und Anmerkung. Ein Datenobjekt zeigt an, welche Daten für eine Aktivität erforderlich sind. Eine Gruppe stellt eine logische Gruppierung bestimmter Tätigkeiten dar, wirkt sich jedoch nicht auf den Diagrammfluss aus. Eine Anmerkung liefert zusätzliche Erläuterungen zu einem Element des Diagramms.

Wer erstellt Geschäftsprozessmodelle?

Geschäftsprozessmodelle können simple, per Hand gezeichnete Diagramme oder komplexere Grafiken mit ausklappbaren Elementen sein, die detaillierte Informationen zur Implementierung von Prozessen enthalten. Besonders anspruchsvolle Geschäftsprozessmodelle werden sogar von ausgebildeten Analysten erstellt. Die Object Managament Group (OMG) stellt fünf verschiedene Zertifizierungen für BPMN 2.0 aus, die gemeinsam als OCEB 2 bezeichnet werden. Dies steht für „OMG-Certified Expert in BPM 2.0“ (OMG-zertifizierter Experte für BPM 2.0). Es gibt sowohl Zertifizierungen mit Fokus auf unternehmerische wie auch auf technische Aspekte. Laut OMG soll BPMN 2.0 zum neuen Standard für Geschäftsprozessmodelle werden, so wie die Unified Modeling Language (UML) zum Standard für Softwareentwicklung geworden ist.

Wer in BPMN investiert, muss bereit sein, Zeit und Geld aufzuwenden. Allerdings können so Geschäftsprozessmodelle erheblich verbessert und weitaus besser verstanden werden. Version 2.0 baut auf vorherige Versionen auf und bietet eine umfangreichere Palette an standardmäßig verfügbaren Symbolen und Notationen, sodass Nutzer bei der Modellierung bei Bedarf äußerst detailliert vorgehen können.

Ziel des Konzepts des Geschäftsprozessmanagements ist es, einen Zyklus kontinuierlicher Verbesserung zu ermöglichen. Hierzu müssen Prozesse modelliert, implementiert, ausgeführt, überwacht und optimiert werden. Geschäftsprozessmodelle spielen hierbei eine zentrale Rolle.

Submodelle innerhalb von<br>BPMN-Diagrammen

Die Diagramme werden verwendet, um mit einer Reihe verschiedener Zielgruppen zu kommunizieren. Dazu gehören sowohl solche mit als auch solche ohne technisches Hintergrundwissen. Submodelle ermöglichen es Betrachtern jeder Art, die unterschiedlichen Abschnitte des Diagramms zu erkennen und die für sie relevanten Punkte zu identifizieren. Es gibt folgende Arten von Submodellen:

  • Private Geschäftsprozesse. Hierbei handelt es sich um unternehmensspezifische interne Prozesse, die nicht über die betreffenden Pools oder Unternehmen hinweg geteilt werden.
  • Abstrakte Geschäftsprozesse. Diese finden zwischen einem privaten/internen Prozess und einem anderen Teilnehmer oder Prozess statt. Ein abstrakter Geschäftsprozess stellt die notwendigen Prozessschritte zur Interaktion mit dem privaten Prozess dar. Er zeigt jedoch nicht den privaten/internen Prozess an sich.
  • Kollaborative Geschäftsprozesse. Diese zeigen die Interaktionen zwischen zwei oder mehr wirtschaftlichen Entitäten.

Andere Diagrammarten

Im Rahmen von BPMN gibt es folgende weitere Diagrammarten: Konversationsdiagramme, Choreografiediagramme und Kollaborationsdiagramme.

  • Choreografiediagramm: Zeigt Interaktionen zwischen zwei oder mehr Teilnehmern. Bei Bedarf können auch Subchoreografien hinzugefügt werden.
  • Kollaborationsdiagramm: Zeigt mithilfe mehrerer Pools Interaktionen zwischen zwei oder mehr Prozessen. Pools, Prozesse und Choreografien sind innerhalb eines Kollaborationsdiagramms beliebig kombinierbar.
  • Konversationsdiagramm: Generell gesehen handelt es sich hierbei um eine vereinfachte Version eines Kollaborationsdiagramms. Ein solches Diagramm zeigt zusammenhängende Nachrichtenaustauschvorgänge innerhalb eines Geschäftsprozesses. Bei Bedarf können auch Subkonversationen hinzugefügt werden.

Wichtige Tipps für die Erstellung von Geschäftsprozessmodellen

  1. Legen Sie einen klaren Rahmen für den Prozess fest und geben Sie einen Start- sowie Endpunkt an.
  2. Es empfiehlt sich, zunächst den aktuellen Geschäftsprozess zu modellieren, um eventuelle Ineffizienzen hervorzuheben, bevor Sie ein optimiertes Modell mithilfe von BPMN erstellen.
  3. BPMN-Diagramme sollten nicht über eine Seite hinausgehen. Allerdings kann diese Seite durchaus etwas größer ausfallen (manche Unternehmen verwenden Prozessmodelle in Postergröße).
  4. Sequenzflüsse sollten horizontal ausgerichtet sein. Assoziationen und Datenflüsse werden vertikal eingezeichnet.
  5. Sie können verschiedene Versionen Ihrer Diagramme für unterschiedliche Interessenvertreter erstellen, die je nach deren Rolle mehr oder weniger detailliert ausfallen können.
  6. BPMN eignet sich nicht zur Modellierung von Unternehmensstrukturen, funktionellen Strukturplänen oder Datenflussmodellen. Obwohl BPMN einige Informationsflüsse innerhalb von Unternehmensprozessen darstellt, handelt es sich dabei nicht um Datenflussdiagramme (DFD).

So erstellen Sie Geschäftsprozessmodelle mit Lucidchart

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Sie können außerdem Linien anpassen, Text formatieren und Elemente verschieben, bis Ihr Modell genau Ihren Vorstellungen entspricht. Das fertige Diagramm können Sie ganz einfach in unterschiedlichen Formaten herunterladen, exportieren oder teilen.